Momentum Quarterly

/ 26. Februar 2026

Momentum Quarterly ist eine vierteljährlich erscheinende, begutachtete („peer review“)  Zeitschrift, die sich Fragen des sozialen Fortschritts auf interdisziplinärer Basis widmet. Untenstehend finden Sie die aktuelle Ausgabe von Momentum Quarterly. Alle hier vorgestellten Artikel werden Open-Access, d.h. frei zugänglich im Internet, veröffentlicht. Weitere Informationen finden Sie unter www.momentum-quarterly.org. Sie erreichen uns unter editors@momentum-quarterly.org.

 

„Ich wäre ja gerne, aber…“ – Hürden für die Inanspruchnahme von Väterkarenz

von Julia Hofbauer

Trotz einer kontinuierlichen Ausweitung der rechtlichen Möglichkeiten ist die Inanspruchnahme von Väterkarenz in Österreich nach wie vor niedrig und zuletzt sogar rückläufig. Dieser Beitrag untersucht die Motivlagen von Vätern für die (Nicht-)Inanspruchnahme von Karenz basierend auf 37 Leitfadeninterviews. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Motivlagen für bzw. gegen eine Väterkarenz sowohl zwischen Vätern, die keine, kurze oder längere Karenzansprüche geltend gemacht haben, unterscheiden, sowie zum Teil innerhalb der jeweiligen Typen. Bei Vätern, die keine oder lediglich den exklusiv für sie reservierten Teil der Karenz in Anspruch genommen haben, basiert die Entscheidung oft auf einer Kombination aus mehreren hinderlichen Faktoren. Väter, die länger als zwei Monate in Karenz waren, haben sich entweder aus pragmatischen Gründen oder aufgrund ihrer persönlichen Überzeugung für diese Karenz- Variante entschieden. Traditionelle Rollenbilder prägen nach wie vor die Einstellungen und im Weiteren das Verhalten der allermeisten Väter.

 

Schlagwörter: Väterkarenz, Typologie, Care Arbeit

 

Transdisziplinäre Wirkungsanalyse im Kunst- und Kulturbereich: Ein Schlüssel zur strategischen und operativen Weiterentwicklung

von Verena Teissl, Stefan Schöggl, Tanja C. Krainhöfer und Yvonne Unnold

Der Diskurs zur Wirkungsforschung im öffentlich geförderten Kunst- und Kulturbereich oszilliert zwischen Legitimierung und Instrumentalisierungskritik. Versteht man Wirkungsanalysen als integralen Bestandteil eines Ökosystems kultureller Produktion, so verdeutlicht sich ein Interdependenzverhältnis, das die Zusammenarbeit von Fördernehmer:innen und Fördergeber:innen erfordert. Wirkungsanalysen entfalten vor allem in kollaborativen Prozessen Potenziale für organisationale und kulturpolitische Governance. Am Beispiel einer von den Autor:innen durchgeführten Wirkungsanalyse mit einem österreichischen Filmfestival wird der Stellenwert kollaborativer Governance und transdisziplinärer Methodik für konsensuale Dynamiken reflektiert. Der Aufsatz liefert einen methodischen Impuls zur Wirkungsanalyse und plädiert für ein stärkeres Bewusstsein der transformativen Kraft von Wirkungsforschung im österreichischen Kunst- und Kulturbereich.

 

Schlagwörter: Wirkungsanalyse, privatrechtlich-gemeinnützige Kulturorganisationen, Governance, Kunstfreiheit, Kulturpolitik

 

Luftverschmutzungsprobleme in der Mongolei – Analyse von Frames und dominanten Akteuren in der Medienberichterstattung

von Mungunchimeg Batkhuyag, Ulrike Zeigermann und Michael Böcher

Mit der Zunahme der Luftverschmutzung wird das Problem verstärkt in Wissenschaft, Politik und Medien diskutiert. Die Medienberichterstattung spiegelt nicht nur die politische Agenda wider, sondern beeinflusst auch die Prioritätensetzung bei der Problembewältigung. Dennoch wissen wir sehr wenig über die mediale Darstellung von Luftverschmutzung in den am stärksten gefährdeten Ländern. Um empirische Erkenntnisse zu liefern, untersucht unsere Studie, wie Luftverschmutzung in den Massenmedien der Mongolei dargestellt wird, einem der weltweit am stärksten verschmutzten Länder. Basierend auf einer systematischen Analyse von 170 Zeitungsartikeln identifiziert dieser Beitrag Verantwortlichkeits-Frames für Ursachen und Lösungen. Unsere Studie zeigt, dass mongolische Zeitungsartikel dazu tendieren, die Verantwortung des Einzelnen zur Anpassung an die Luftverschmutzungsprobleme zu betonen, während Artikel in The Guardian, die eine internationale Perspektive auf Luftverschmutzung bieten, kollektive Problemlösungen und die Rolle der Politik hervorheben. Unsere Analyse zeigt, dass Politiker, die in mongolischen Zeitungen als dominierende Sprecher auftreten, wissenschaftliche Expertise oft vernachlässigen und sich auf kurzfristige individuelle Maßnahmen konzentrieren.

 

Schlagwörter: Öffentliche Politik, Framing, Luftverschmutzung, Medienrepräsentation, Mongolei, dominante Akteure

 

Frühzeitige Ermittlung des Bedarfs an Partizipation und Empowerment im Rahmen industrieller Transformationsprojekte: Entwicklung eines systematischen Vorgehens

von Lisa Kolde, Nora Weber, Christoph Zeiss, Silvia Voigt und Lea Pattberg

Der industrielle Wandel zur Treibhausgasneutralität ist ein komplexer Prozess, der mit erheblichen Veränderungen für die Gesellschaft einhergeht. Dieser Beitrag adressiert Akzeptanzprobleme auf lokaler Ebene und präsentiert eine systematische Vorgehensweise, die darauf abzielt, Konfliktpotentiale sowie lokale Partizipations- und Empowerment- Bedarfe im Rahmen der industriellen Transformation zur Klimaneutralität frühzeitig zu identifizieren und die Merkmale einer gelungenen Beteiligung herauszuarbeiten. Die Vorgehensweise beschreibt einen iterativen Prozess, dessen Kernstück Interviews mit der organisierten Zivilgesellschaft in der räumlichen oder fachlichen Sphäre der Transformationsvorhaben bilden. Das Vorgehen wurde beispielhaft an der geplanten CO₂-Pipeline (North Sea CO₂ Corridor) von Open Grid Europe durch das Rheinische Revier erprobt und validiert. Neben der Vorstellung des Vorgehens stellt dieser Beitrag ebenfalls die Ergebnisse des Validierungsdurchlaufes und die identifizierten Merkmale einer gelungenen Beteiligung vor.

 

Schlagwörter: Partizipation, Industrietransformation, CO₂-Pipeline, CCS, Kohlenstoffwirtschaft

 

Wenn du zweimal so arbeitest, bist du weg“ – Prekarisierung migrantischer Arbeiter:innen im Onlineversandhandel durch fragmentierte Beschäftigung und digitale Kontrolle

Der Artikel basiert auf ethnographischer Forschung und Interviews mit Arbeiter:innen in manuellen Jobs im Onlineversandhandel. Zunächst wird der Arbeitsprozess in einem Verteilzentrum beschrieben und die Managementpraktiken analysiert. Die Arbeit setzt sich aus einer Reihe von Kleinstaufgaben zusammen. Einige Arbeitende in der Paketlogistik üben einfach strukturierte Tätigkeiten bspw. am Fließband aus, während andere durch digitale Geräte angeleitet werden, wodurch die Arbeitsleistung überwacht wird. Diese Koexistenz diverser Anleitungssysteme differenziert die Ergebnisse bisheriger Forschung in diesem Bereich. Mit der aufgezeichneten Leistung drängt das Management insbesondere Arbeitende zu schnellerer Arbeit, indem Kündigungen angedroht bzw. die Übernahme in Festanstellung in Aussicht gestellt werden. Arbeitende in der Branche sind überwiegend migriert und von multipler Prekarität betroffen. Diese Prekarität wird, im Kontext fragmentierter Beschäftigung, instrumentalisiert, um Arbeiter:innen zu schnellerer Arbeit zu drängen. Die Ergebnisse zeigen, dass die prekären Arbeitsverhältnisse in der Branche die multiple Prekarität migrantischer Arbeiter:innen verstärken.

 

Schlagwörter: Arbeitssoziologie, Digitaler Taylorismus, Prekarisierung, Migrantische Arbeit, Fragmentierte Beschäftigung

 

Differenzverhältnisse im Kontext beruflicher und gymnasialer Bildung: Institutionelle Bedingungen und Perspektiven von Lehrpersonen

Soziale Selektivität prägt den Erwerb von Bildungsabschlüssen im Schweizer Bildungssystem. So haben sich die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Schichten nicht angeglichen. Der Bildungserfolg wird zudem von weiteren Ungleichheits- und Differenzkategorien, wie beispielsweise soziale und geografische Herkunft, Migrationsbiografie und Geschlecht, beeinflusst. Der Beitrag präsentiert erste Ergebnisse des Forschungsprojekts «Migrationsgesellschaftliche Verhältnisse im Kontext beruflicher und gymnasialer Bildung». Mit Bezug auf postkoloniale Theorieansätze wird der Frage nachgegangen, wie Jugendliche in den untersuchten Ausbildungsgängen und Schwerpunktfächern der beruflichen und gymnasialen Bildung aufgrund von Migration und Geschlecht über Othering und Grenzziehungsprozesse als «Andere» hervorgebracht und inwiefern bestehende asymmetrische Verhältnisse reproduziert oder verschoben werden können.

 

Schlagwörter: Berufliche und gymnasiale Bildung, Migration und Geschlecht, Differenzverhältnisse, Othering

 

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